Forschungsprojekte

Im Verlauf der letzten Monate habe ich drei verschiedene Forschungsprojekte entwickelt, die ich in diesem und im naechsten Jahr angehen moechte.

Diese Projekte sind in unterschiedlichen Bereichen angesiedelt und haben doch eine Gemeinsamkeit: sie verbindet der Gender-Aspekt. Gender ist mehr als die blosse Untersuchung der Situation von Maennern und Frauen. Gender ist eine soziale Kategorie, die fuer das Funktionieren der Gesellschaft von grosser Bedeutung ist. Gender ist gleichermassen in das soziale Skript eingeschrieben. Nach diesem Skript leben die Individuen in einer Gesellschaft zusammen, organisieren sich und teilen Aufgaben und Pflichten. Als eine der wichtigsten Erkenntnisse gilt dabei: Gender ist wandelbar.

Hierzu gehoert auch die Erkenntnis, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt. Diese anderen Geschlechter haben bislang in unserer Gesellschaft wenig Anerikennung gefunden, zum grossen Teil ist bislang versucht worden, ein drittes und viertes Geschlecht entweder dem maennlichen oder weiblichen anzupassen, zumeist bei der Geburt. Hiervon wird jedoch zunehmend Abstand genommen.

Projekt: Weibliche Gewalt im männlich-geprägten System

In diesem ersten Forschungsprojekt interviewe ich Frauen im Strafvollzug. In diesem qualitativen Ansatz ist das Ziel, Gewalt-Erfahrungen von Frauen in einer von maennlichen Strukturen gepraegten Gesellschaft genauer zu untersuchen und besser zu verstehen. Uebergeordnetes Ziel ist es, das Phaenomen ‚weibliche Gewalt‘ besser zu etablieren. Die Frauen, die ich interviewen moechte, sind in der „Las Colinas Women Detention Facility“ untergebracht und verbuessen dort ihre Haftstrafen.

Las Colinas Women’s Detention Facility

Projekt: Weibliche Gewalt in Heimen des Nachkriegsdeutschland

In meiner Heimat Idstein gab es in den 50er bis 70er Jahren den sog. Kalmenhof. Dies war eine Einrichtung für ‚schwer erziehbare‘ Jungen und Mädchen. Der Begriff ‚schwer erziehbar‘ wird heute mit völlig anderen Kategorien versehen als zur damaligen Zeit. Schwer erziehbar war bereits, wer sich nach 22 Uhr in Kneipen oder anderen Lokalitäten aufhielt.

Für dieses Projekt habe ich Kontakt mit dem Spiegel-Journalisten Peter Wensierski aufgenommen, der die Dokumentation „Und alle haben geschwiegen“ für das ZDF gemacht hat. Ich moechte einiges Archiv-Material mit besonderem Augenmerk auf die Beschreibungen der Aufseherinnen und Erzieherinnen auswerten.

Projekt: Dimensionen der Schwangerschaft aus soziologischer Perspektive

In unserer Gesellschaft existiert die allgemeine Vorstellung, dass eine Schwangerschaft insgesamt ein positives Erlebnis ist. Darüber hinaus ist die Konzentration auf die Rolle der Mutter als erste Ansprechpartnerin für die Schwangerschaft und den Nachwuchs offensichtlich.

In diesem Projekt möchte ich Frauen interviewen, die ihre Schwangerschaft nicht unbedingt als etwas Positives erlebt haben. Ansaetze, die Ambivalenzen waehrend oder nach der Schwangerschaft untersuchen stammen in der Regel aus der Psychologie, Stichwort postnatale Depression. Die Rolle von Schwangeren, die Erwartungen, die an sie gerichtet werden, ihre Aufgaben und ihr Empfinden gegenüber externen Erwartungen und Anforderungen ist bislang noch kaum untersucht worden.